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19.01.12

Zeitarbeit – eine Brücke in den Arbeitsmarkt?


Ausgangslage

 

In den letzten Jahren wurden die gesetzlichen Regelungen für die Zeitarbeit wesentlich verändert. Mit dem 1. Gesetz für moderne Dienstleistungen am Arbeitsmarkt 2004 wurden u. a. das besondere Befristungsverbot, das Wieder- einstellungsverbot sowie die Beschränkung der Überlassungsdauer aufgehoben. Diese sowie weitere Änderungen sollen dazu beitragen – so der Gesetzgeber – die Arbeitnehmerüberlassung als flexibles arbeitsmarktpolitisches Instrument zu stärken und positive Beschäftigungseffekte zu erzielen.

 

Immer mehr Menschen finden in der Zeitarbeit eine Beschäftigung. Zählte die Bundesagentur für Arbeit im Juni 2004 in NRW noch 79.238 Zeitarbeitskräfte, so waren es im Juni 2010 bereits 149.372. Unterbrochen durch die Finanz- und Wirtschaftskrise steigt die Zahl der Zeitarbeitskräfte fortlaufend.

 

Viel und kontrovers wird in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft diskutiert, ob die Zeitarbeit tatsächlich die Brücke in den Arbeitsmarkt ist. Oftmals wird die Beschäftigung vormals Arbeitsloser als Indiz für die Brückenfunktion angesehen. Die Bundesagentur für Arbeit beziffert diesen Anteil auf rund 60%.

 

Andere beschreiben die Brückenfunktion als Hilfe zum Einstieg in eine Beschäftigung außerhalb der Zeitarbeit. So kommt 2008 eine Untersuchung für das Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales des Landes NRW zu dem Ergebnis, dass „knapp einem Drittel der Zeitarbeitnehmer/innen, die vor der Zeitarbeit arbeitslos waren, … ein Einstieg in eine Vollzeit-/Teilzeitbeschäftigung in einem anderen Wirtschaftsbereich“ gelingt (1). Weitere Untersuchungen kommen zu dem Ergebnis, dass die Zeitarbeit eher als schmaler Steg denn als breite Brücke auf dem Weg in den 1. Arbeitsmarkt angesehen werden kann (2). 

 

Offen ist die Frage, welche Faktoren den Klebe- und  Brückeneffekt – verstanden als eine Beschäftigung außerhalb der Zeitarbeit - befördern und mit welchen Maßnahmen man ihn gezielt erhöhen kann. An diesen Stellen setzt das Projekt an.


Ziele

  1. Identifikation von Faktoren, die sowohl fördernd als auch hemmend auf eine nachfolgende Beschäftigung von Zeitarbeitnehmer/innen außerhalb der Zeitarbeit wirken.
  2. Entwicklung und Umsetzung von Handlungsstrategien, die zu einer Verbesserung der Beschäftigungschancen für Zeitarbeiternehmer/innen außerhalb der Zeitarbeitsbranche führen können (Ansatzpunkt auf der betrieblichen Ebene).
  3. Identifikation von Ansatzpunkten für die Arbeitsmarktpolitik, die zu einer nachhaltigen Förderung der Beschäftigung außerhalb der Zeitarbeitsbranche beitragen können.


Methodisches Vorgehen

 

Das Projekt unterteilt sich in vier Phasen:

 

1.    Phase: Empirie

 

Zur Beantwortung der Frage, welche Faktoren sich fördernd oder hemmend auf den Klebe- und Brückeneffekt auswirken, werden die drei Seiten der Zeitarbeit befragt:

  • Online-Befragung von Zeitarbeitsunternehmen
  • Schriftliche Befragung von Zeitarbeitskräften
  • Interviews mit Kundenunternehmen

Darüber hinaus werden Interviews mit Betriebsräten in Zeitarbeitsunternehmen geführt.

2.    Phase: Entwicklung und Erprobung von Maßnahmen

 

Aufbauend auf den Befragungsergebnissen werden konkrete Maßnahmen zur Erhöhung des Klebe- und Brückeneffekts entwickelt und umgesetzt. Dazu können u. a. gehören: Strategieworkshops, Qualifizierungen für Zeitarbeitskräfte z. B. in den so genannten Softskills, Qualifizierungen für Disponent/innen z. B. in Fragen der Personalbetreuung.

3.    Phase: Erarbeitung arbeitsmarktpolitischer Empfehlungen

 

Folgende Fragen können mögliche Ansatzpunkte für arbeitsmarktpolitische Empfehlungen sein: Wie kann die berufliche Bildung von Zeitarbeitskräften gefördert werden? Wie können Jobcenter/Agenturen für Arbeit die Kompetenzen ihrer Kund/innen fördern, damit sie, wenn sie in der Zeitarbeit eine Beschäftigung finden, eine höhere Chance auf den Klebeeffekt haben. Wie können auf Seiten der Zeitarbeitsunternehmen Anreize zur Förderung des Klebeeffekts geschaffen werden?

4.    Phase: Ergebnistransfer

 

Die Ergebnisse werden u. a. in einer Broschüre dokumentiert. Workshops, eine kontinuierliche Presse- und Öffentlichkeitsarbeit sowie eine Abschlussveranstaltung sorgen für einen Transfer der Ergebnisse in die Zeitarbeitsbranche und darüber hinaus.


Ansprechpartner/innen

 

Dr. Cordula Sczesny


Projektpartner 

  • Soziale Innovation GmbH, Dortmund (Projektträger), (SI)
  • Bundesarbeitgeberverband der Personaldienstleister, Berlin, (BAP)
  • Deutscher Gewerkschaftsbund NRW, Düsseldorf, (DGB NRW)
  • Interessenverband Deutscher Zeitarbeitsunternehmen e. V., Münster, (iGZ)
  • ARO Personalservice GmbH, Gelsenkirchen
  • at-work Fachpersonal GmbH & Co. KG, Münster
  • GAD Gesellschaft für Arbeit und soziale Dienstleistungen mbH, Dortmund
  • PeSo GmbH Gesellschaft für Personalentwicklung und Soziale Dienstleistungen, Gevelsberg
  • Start Zeitarbeit NRW GmbH, Duisburg
  • ZAK Zeitarbeit Luzia Kilias e. K., Köln
  • Agentur für Arbeit Hamm
  • Jobcenter Bielefeld
  • Jobcenter Dortmund
  • Jobcenter Duisburg


Förderung/Auftraggeber

 

Das Projekt wird durch das Land NRW (Ministerium für Arbeit, Integration und Soziales des Landes Nordrhein-Westfalen) und aus Mitteln der Europäischen Union (Europäischer Sozialfonds) gefördert.

 

(1) Sczesny, C. u. a. (2008): Zeitarbeit in Nordrhein-Westfalen. Strukturen, Einsatzstrategien, Entgelt, Düsseldorf.
(2) Lehmer, F. u. a. (2010): Zumindest ein schmaler Steg, IAB-Kurzbericht, Nr. 13, Bielefeld.

Download:   Bericht zum Thema Klebeeffekt   Infoband Abschlussveranstaltung Zeitarbeit   Informationsveranstaltung für Mitarbeiter/innen im Jobcenter zum Thema Zeitarbeit   Ansatzpunkte zur Erhöhung des Klebeeffekts   Presseartikel WAZ   Presseartikel Ruhr Nachrichten